44. Manukahonig und ein Schlafplatz unter Sternen

Am Freitag, 3. November 2023 ging’s dann raus aus der Stadt und zunächst Richtung Northlands. Einen genauen Reiseplan gab´s nicht, nur eine grobe Orientierung, was wir gern alles sehen würden.
Zuerst aber galt es, eine Stopp in einem Mitsubishi Store einzulegen. Wie sollen wir nur unser Gepäck transportieren? Jeder Fleck in Betty ist exakt verplant und mit Philip`s Sachen belegt. Vielleicht wäre es also eine gute Idee, einen Dachgepäckträger zu kaufen? Es ist echt mühsam, unser ganzes Gepäck immer vom hinteren Teil nach vorn auf die Vordersitze zu bewegen, nur weil wir hinten irgendwas aus den Schränken benötigen. Im Store gab es aber nichts Brauchbares, die verwiesen uns stattdessen auf einen 30 km entfernten Laden. Nö, so weit ab von der für heute geplanten Route wollten wir uns nicht bewegen, also schnell nochmal bei Facebook Marketplace suchen. Philip hat dort auch tatsächlich ein gutes Angebot ganz in der Nähe gefunden, sich kurz mit dem Verkäufer geschrieben und los ging die Fahrt dorthin. Der Himmel war grau und in strömendem Regen erreichten wir das Haus des Verkäufers. Der erschien auch nach wenigen Minuten und überreichte uns die zwei Träger. Trotz der Nässe versuchten wir, mit vereinten Kräften diese beiden Träger auf Betty zu montieren. Die waren allerdings Marke Eigenbau und verrostet, da half auch eilig vom Verkäufer herbeigeholtes und in den höchsten Tönen gelobtes WD-40-Spray nicht, wir nahmen lieber Abstand vom Kauf und hofften auf eine bessere Gelegenheit.

Neuseeland ist berühmt für seinen Manukahonig, den ich mir in Deutschland nur teuer bestellen kann. Er wird aus dem Nektar der Blüten des Manuka-Strauchs gewonnen, die in den Bergregionen Neuseelands heimisch sind. Die neuseeländischen Ureinwohner nutzen ihn schon seit Jahrhunderten, um Entzündungen und Infektionen zu behandeln. Laut mehrerer Studien wirkt er antibakteriell und wird daher auch in der Medizin eingesetzt. Die antibakterielle Wirkung kommt vermutlich durch den sehr hohen Gehalt an Methylglyoxal. Das ist ein Stoff, der entsteht nachdem Bienen den Blütennektar gesammelt und zu Honig verarbeitet haben. Manuka-Honig enthält im Vergleich zu herkömmlichen Honigen bis zu hundert Mal mehr Methylglyoxal. Auf unserem Weg versprach eine Honigfarm feinsten Honig und jede Menge Honigprodukte. Da es sowieso noch regnete, haben wir also einen Stopp im Warkworth Honey Center eingelegt und so ziemlich alle Honigsorten durchgekostet. Und natürlich wurde auch gekauft: eine Honigwabe, ein Glas „echten“ Manukahonig und ein Glas Lavendelhonig für unser Frühstück. Und da es auch noch leckeres Manuka-Eis gab, wurde auch davon noch eine Kugel verspeist.

Warkworth Honey Center
man kann alles kosten
leckere Honigwabe
Manuka Blüten
Bienenvolk

Nun hieß es, einen Schlafplatz für die Nacht zu organisieren. Man kann in Neuseeland diverse Apps nutzen, um kostenlose Stellplätze oder bezahlbare Campingplätze zu finden. Wir wollten aber gern nochmal „ein richtiges Bett“ haben. Bei airnbn hatte ich ein geniales Angebot unter einer „Kuppel“ gefunden, es war aber leider für den gleichen Tag nicht mehr buchbar und außerdem hofften wir, einen besseren Deal zu erzielen, wenn wir direkt hinfahren. Die genaue Adresse wussten wir nicht, konnten uns aber mithilfe von Google Maps und den Fotos bei airbnb denken, wo die Unterkunft ungefähr sein musste. Und tatsächlich haben wir die Stelle auch gefunden, vom Hauptweg bog eine steile Schotterpiste rechts auf einen Hügel ab. Das wollten wir Betty erst mal ersparen, zumal ja nicht sicher war, dass „the dome“ sich auch wirklich hier befand. Die Jungs erkunden die Gegend also zunächst zu Fuß, Betty wurde an der Auffahrt abgeparkt. Ich wartete geduldig und schon nach kurzer Zeit bog ein Auto in die Aufahrt ab, die aber von Betty versperrt war. Die Autoschlüssel befanden sich in Philips Hosentasche, Umparken also unmöglich. Ein Mann kam auf mich zu, in gebrochenem Englisch erklärte ich ihm unsere Mission: es war der Vermieter. Er gab mir zu verstehen, dass er nicht sicher sei, ob für eine Vermietung schon alles vorbereitet sei. Jens und Philip waren inzwischen zurück und er bat uns, ihm mitsamt der Betty den Berg hinauf zu folgen. Und da stand dann tatsächlich auch „the dome“. Der Mann verschwand kurz in seinem ebenfalls auf dem Hügel befindlichen Haus, kam gleich darauf zurück und erklärte uns, dass er noch circa eine Stunde bräuchte, den „Dom“ bewohnbar zu machen. Das war uns nur recht, schließlich wollten wir noch den Strand erkunden.

da kommt Freude auf
schöner Ausblick – bis zum Meer
liebevoll eingerichtet

Also fuhren wir zurück an den Strand, wo Philip und ich das erste Mal in circa 16°C kalte Meerwasser sprangen.

erster Ausflug ins Meer (Südpazifik)
menschenleere Strände

Nachdem wir also „erfrischt“ waren, fuhren wir noch ins Städtchen Waipu zurück, besuchten dort einen Liquid Store (Alkohol gibt es nur in gesonderten Läden mit Alterskontrolle) und erstanden zwei Flaschen Wein und zwei Büchsen Bier. Außerdem gab es diverse kleine Imbissläden, in einem davon konnten wir dann doch den gebackenen Kartoffeln und frittierten Hühnerschenkel nicht widerstehen.

Zurück im Dom wurde Betty direkt vor der Tür abgestellt und alles unter der Kuppel mit herrlicher Aussicht verspeist. Philip platzierte seine Luftmatratze direkt an der Kuppelfront und wir versanken unter einem wolkenlosen Sternenhimmel nach einem grandiosen Sonnenuntergang in tiefen Schlaf. Weshalb neben dem Bett Wärmflaschen platziert waren, wurde dann auch schnell klar, es war einfach nur erbarmungslos kalt nachts. Aber man konnte sogar vom Bett aus die Sterne und in der Ferne ein Feuerwerk sehen.

Betty immer in Sichtweite
es wird Nacht in der Kuppel