North Cascades Highway

Tag 6: von Anacortes auf dem North Cascades Highway

Da wir uns auf unserer heutigen Etappe auf zahlreiche Zwischenstopps eingestellt haben, sind wir schon kurz nach 8 Uhr unterwegs. Wir wollen durch den North-Cascades-Nationalpark, er liegt im Norden des US-Bundesstaats Washington an der Grenze zu Kanada. Dieser NP umfasst mehr als 2.040 Quadratkilometer im Hochgebirge der namensgebenden Kaskadenkette, einem Gebirgszug vulkanischen Ursprungs. Nur die Hochlagen gehören zum nahezu durch den Menschen unbeeinflussten Nationalpark. Touristische und andere Infrastruktur gibt es nur in den "National Recreation Areas", der Nationalpark ist nicht erschlossen. Daher ist er der am wenigsten besuchte Nationalpark der Vereinigten Staaten außerhalb Alaskas. Genau deshalb wollten wir ihn gern durchqueren, fernab vom Trubel. Die Fahrt wird schon bald unterbrochen, denn die „Cascadian Organic Farm“ lockt mit einem kleinen Verkaufshäuschen direkt an der State Route 20 mit leckerem Kaffee und frischen Muffins.

Cascadian Organic Farm

Okanogan National Forest

Die darauffolgende Fahrt durch den Okanogan National Forest entlang des Skagit River ist traumhaft. Es herrscht kaum Verkehr. Es geht vorbei am Diablo und Ross Lake.

Wanderung auf dem Rainy Lake Trail

Den knapp 3,5 km langen Rundweg-Trail zum Rainy Lake können wir wagen, es liegt nur noch wenig Schnee auf dem Weg und das Ziel ist umwerfend.

Washington Pass Overlook

Unser Mittagessen verspeisen wir am Washington Pass Overlook am 1.669 m hohen Washington Pass und fahren dann weiter bis Whintrop.

Whintrop

Das Städtchen präsentiert sich vollkommen im Western-Outlook und hat, verkehrsgünstig an der größten Kreuzung des Ortes gelegen, einen sagenhaften Süßwarenladen, der auch selbst gemachtes Eis verkauft. Bei Temperaturen um die 30 Grad ist uns das natürlich sehr willkommen. Ein Ehepaar hat aus der einstigen Geisterstadt diese einem Ort eines Westernfilms gleichende Idylle geschaffen.

Über Alta Lake nach Omak

Nach einer Fahrt durch weitere Westernstädtchen erreichen wir den Alta Lake und bei weiterhin strahlendem Sonnenschein wagen wir (naja, eigentlich nur ich) einen Sprung ins kalte Nass, dort ist ein öffentlicher Zugang zum See - natürlich wieder mit Picknikplätzen -  eingerichtet.

Nach einer weiteren Stunde Fahrt erreichen wir gegen 18 Uhr unser im Voraus gebuchtes Motel im Omak und sind zuerst etwas verunsichert. Merkwürdige Gestalten treiben sich auf dem Parkplatz herum, auf dem zudem jede Menge altes Gerümpel abgestellt ist. Das Ganze wirkt wenig einladend. Das hat man davon, wenn man zu preiswert bucht. Nachdem uns am Empfang (so groß, dass wir gar nicht alle Platz darin haben) erklärt wird, es sei kein Doppelzimmer mehr vorhanden, wollen wir von unserer Buchung zurücktreten. Der Inhaber versichert uns jedoch, er würde schon ein schönes Zimmer für uns finden. Naja, etwas skeptisch betreten wir mit dem uns ausgehändigten Schlüssel unser Zimmer und sind mehr als positiv überrascht. Ein Zimmer mit großem Doppelbett, kleinem Schreibtisch und Kühlschrank. Durch einen kleinen Gang erreicht man dahinter ein weiteres Zimmer mit zwei Doppelbetten. Alles ganz neu und sauber. Wenn das kein Schnäppchen ist. Das Motel hat erst seit kurzem einen neuen Besitzer und dieser bringt nun erst nach und nach die Zimmer wieder in Schuss. Leider hat Omak nichts zu bieten außer Fastfood, obwohl wir durch die Stadt kurven und versuchen, eine Alternative zu finden. Also essen wir in einem DairyQueen (Grill and Chill) matschige Burger und Pommes und gehen zeitig zu Bett.

Meilenstand: 15515 = 245 km

Tag 7

Da wir auf Fastfood-Frühstück verzichten wollen, kaufen wir im Walmart Baguette ein; Marmelade und Nutella befindet sich schon seit Seattle in unserem Eigentum. Zudem erstehen wir eine Styropor-Kühlbox, die uns in den nächsten Tagen noch unersetzlich werden soll - uns erwarten 3 Wochen Sonnenschein. Bei Starbucks wird ein Kaffee geholt und ab geht es an einen Picknik-Platz am Okanogan River zum Frühstücken.

Weiter geht es auf dem Highway 20 vorbei an verlassenen Cowboy-Siedlungen über Tonasket nach Republic, ebenfalls ein Westernstädtchen, das vielleicht sogar noch ursprünglicher als Whintrop ist. Jedenfalls gibt es eisgekühlte Getränke, die wir mit Vergnügen vertilgen.

Erst gegen Abend erreichen wir unser Motel in Ponderey, und gerade als wir unser Zimmer betreten, fängt es an zu regnen. Das führt dann dazu, dass im Hotel -und nicht nur dort, sondern in der ganzen Gegend- der Strom ausfällt. Nach der langen und anstrengenden Fahrt (fast 400 km über kleine Landstraßen durchs Gebirge) gönnen wir uns ein Stündchen Ruhe, während Philip den Whirlpool inspiziert, und entschließen uns dann, bis Sandpoint zurück zu fahren. Und tatsächlich, dort hat die Stromversorgung gehalten und wir bekommen im „Panhanler Pies Restaurant & Bakery“ ein Super-Sonderangebot: 2 Steak-Menüs zum Preis von Einem. Mit Salat und Pancakes und selbstgemachtem Eistee (bottomless). Sehr zu empfehlen. So gestärkt überleben wir auch die Nacht im Motel direkt am Highway mit entsprechender Geräuschkulisse durch den Verkehr oder eben die Klimaanlage, je nachdem, ob man das Fenster zum Abkühlen öffnet oder die Klimaanlage anschaltet.

Welcome To Idaho

Meilenstand: 15759 = 393 km

Tag 8

Am Morgen erwartet uns ein typisches Motelfrühstück: Pappteller, Plastikbesteck, eingeschweißte Lebensmittel. Aber es gibt frisches Obst: Äpfel :-). So „gestärkt“ machen wir uns auf den Weg durch den Kootenai National Forest Richtung Whitefish in der Nähe des Glacier Nationalparks. Direkt am Highway 2 weist ein Schild darauf hin, dass es lohnen würde, die Kootenai Falls zu besichtigen. Gesagt, getan. Und es lohnt sich tatsächlich. Eine schwingende Brücke führt über den Kootenai, zudem kann man die Kootenai Falls aus der Nähe bestaunen. Und zur Freude von Philip gibt es sogar einen kleinen Imbissstand, der leckerere Hotdogs anbietet.

Die Fahrt führt idyllisch durch den Kootenai National Forrest, der Kootenai River ist ein treuer Begleiter. Am Lower Thompson Lake machen wir einen kurzen Zwischenstopp.

Welcome To Montana

Obwohl wir auch an diesem Tag wieder 320 km Highway zurücklegen, sind wir bereits am Nachmittag am Zielort in Whitefish angekommen und mehr als erfreut: das über www.homeaway.com gebuchte Häuschen ist einfach himmlisch. Abseits der Straße auf einer kleinen Ranch gelegen steht ein kleines Holzhäuschen, dass für die nächsten 3 Tage unsere Herberge wird.

Philip freut sich über den Besuch der beiden Hunde Finn und Ruby. Von der Besitzerin, die ebenfalls auf dem Farmgelände wohnt, erhalten wir ein Paket frische Eier und erfreuen uns an den herumlaufenden Hühnern. Schafe und Pferde gehören ebenfalls zur Ranch. Wir finden in einer Informationsbroschüre den Hinweis auf einen nahe gelegenen Badesee und schon geht’s los. Naja, eigentlich sind es vom Highway aus nochmal 10 km Staubpiste, aber es lohnt sich, wir können uns in die glasklaren Fluten des Beaverlake werfen.


Danach heißt es dann: Vorräte auffüllen. Whitefish ist ein nettes Städtchen, in dem man alles kaufen kann, was das Herz begehrt. Wieder kommt unsere Safeway-Kundenkarte zum Einsatz, mit der sich etliche Dollar sparen lassen. Frischer Salat, Baguette und vor allem Steaks landen im Einkaufswagen. Zurück im Ferienhaus werden die Steaks auch gleich auf den Grill geworfen, der natürlich in keinem Ferienhaus fehlt. Doch schon bald bekommen wir Besuch: ein nicht gerade kleiner Hund schleicht ums Haus, wohl vom Geruch der Steaks angelockt. Und als er sich auch noch auf unsere Terrasse traut, verschwinden wir alle fluchtartig hinter der verglasten Terrassentür ins Innere. Von dort aus beobachten wir -wie im Film-, wie der Hund es sich gemütlich direkt vor unserer Tür auf dem Abstreicher gemütlich macht. Naja, irgendwann und gerade noch rechtzeitig, bevor die Steaks verbrennen, trauen wir uns dann doch vorsichtig raus und an „Cooper“ vorbei. Es stellt sich am nächsten Tag heraus, er ist der Hund der Nachbarfarm und Herrchen übers Wochenende verreist. Wir werden in den nächsten Tagen jedenfalls gute Freunde.

Meilenstand: 15958 = 320 km


Und weiter geht's zum Glacier Nationalpark...