Glacier Nationalpark

Tag 9: Whitefish und Glacier Nationalpark

Geweckt durchs Hühnergegacker gibt es erstmal ein gemütliches Frühstück auf der Biergarnitur vorm Ferienhaus. Die Hühner und Cooper leisten Gesellschaft. Danach geht auf zum Glacier Nationalpark, der ca. 50 km von unserer Unterkunft entfernt liegt. Unterwegs passieren wir kleine Örtchen und es fällt immer mehr auf: der 4. Juli (Unabhängigkeitstag) steht kurz bevor. Die Häuser werden mit Fahnen geschmückt und jede Menge Feuerwerks-Verkaufsstände werden aufgebaut; total verrückt. Wir haben wirklich Glück, die Going-to-the-sun-road (einzige Straße durch den Park und über den Kamm) ist seit zwei Tagen (!) befahrbar, zuvor waren einige Teile wegen Schnee noch gesperrt. Wegen des langen harten Winters im Hochgebirge ist sie laut Reiseführer nur von Anfang Juni bis Mitte Oktober geöffnet; in diesem Jahr also sogar erst Ende Juni. In zahllosen Haarnadelkurven befahren wir die insgesamt knapp 85 km lange Straße bis zum 2.036 m hohen Logan Pass im Herzen der Rockies hinauf. Von den noch im Jahr 1850 aufgezeichneten 150 Gletschern sind heute nur noch 25 (!) übrig. Alle davon gut versteckt im Nationalpark, den die Blackfeet-Indianer als „Rückgrat der Welt“ bezeichneten. Die schwindenden Gletscher haben eine Landschaft mit tiefen Kesseln, wunderschönen Tälern und bis zu 3.200 m hohen Gipfeln hinterlassen. Unterwegs machen wir also an verschiedenen Aussichtspunkten halt.

  • Frühstück
  • Ferienhaus
  • Eingangsschild
  • River

Auffahrt zum Logan Pass

Auf der Internetseite www.Bergwelten.de steht geschrieben: "Der viertgrößte Nationalpark der USA wirbt mit Bergseen, einsamen Gipfeln, Bergziegen, Adlern und Bären. Von den 2,3 Millionen Besuchern fahren jedoch die meisten nur eine Straße entlang und vertreten sich ab und zu am Wegrand die Beine." Auch wir schaffen leider an dem einen eingeplanten Tag nicht viel mehr als kurze „Fotopausen“. Die meisten der Wanderparkplätze sind überfüllt und zudem auch noch nicht alle Wanderwege wieder frei zugänglich.

Es geht etliche Serpentinen hinauf, zunächst entlang des Lake McDonald zu dem auf 2.025 m Höhe befindlichen Logan Pass, der kontinentalen Wasserscheide. Hier befindet sich zwar ein großer Parkplatz, aber wir sind natürlich nicht die einzigen Besucher, die sich freuen, dass die Road endlich geöffnet ist. Also erkunden wir mit einer großen Menge weiterer Touristen die wenigen freien Wege um die Touristeninformation, spielen ein wenig mit dem Schnee und freuen uns über die vielen Marmots, die sich wohl ebenfalls freuen, dass der Sommer endlich kommt.

Auf dem Rückweg machen wir Picknick an einem Fluss, jetzt gibt es wieder freie Stellplätze, die meisten haben den Park wohl schon verlassen. Eine Rehmutter mit Kitz überquert seelenruhig direkt neben uns den Fluss und durchstreift den Parkplatz.

Meilenstand: 16108 = 241 km

Tag 10: Raftingtour mit Dinner

Auch dieser Tag startet wieder mit einem gemütlichen Frühstück, der Nachbarhund Cooper kommt vorbei und die Pferde wiehern. In den Zweigen der Bäume spielen die Colibris Fangen und wir genießen die Ruhe bei einer Partie Rummikub.
Nach dem Verzehr der Reste vom Vortag machen wir uns auf zur „Glacier Raft Company“. Dort  werden wir mit raftingtauglichem Schuhwerk versorgt und mit einem Bus zum Startpunkt gebracht. Auf mehrere Boote verteilt, beginnt die Raftingtour zunächst auf dem Flathead River. Wir sitzen mit einer Familie aus Kalifornien zusammen; Mutter, Vater und deren Kindern mit Partnern. Zunächst recht schüchtern üben wir uns im Englischen, aber es klappt doch recht gut. Unser Guide führt uns sicher durch die „Fluten“ und nach ca. 3 Stunden kommen wir an eine schöne kleine Bucht, in welcher drei der Boote Halt machen.

Dort wartet der Bus mit unseren trockenen Sachen. Und dann werden Biertischgarnituren aufgestellt, der Grill wird angeworfen und es gibt Steak, Hühnchen, verschiedene Salate und schöne kühle Getränke. Gemütlich sitzen wir nochmal zusammen, tauschen Email-Adressen zum Verschicken von Fotos aus und lassen den Tag ausklingen.

Meilenstand: 16171 = 101 km

Tag 11: Fahrt nach Butte

Am Abend zuvor haben wir kurzfristig unsere Unterkunft für den nächsten Halt umgebucht, denn das von uns im Voraus reservierte Motel hatte nicht so wirklich gute Bewertungen und wir wußten, auch 80 km mehr Wegstrecke sind locker zu schaffen. Also geht es auf nach Butte. Google Maps versprach, dass unterwegs u.a. der Seeley Lake unseren Weg streifen würde, und so biegen wir dort auf einen ausgeschilderten Zeltplatz ab. Aber tatsächlich ist die Wasserqualität nicht so wirklich nach unseren Vorstellungen, es wird also nur ein kurzer Stopp.

In Deer Lodge werden nochmal kurz die Vorräte aufgefrischt und dann geht es ins „umgebuchte“ Hamton Inn in Butte. Eine sehr gute Entscheidung, auch wenn der Ort selbst leider ziemlich trostlos wirkt.

Butte

Butte wurde gegen Ende des 19. Jahrhunderts als Bergbausiedlung des Anakonda-Kupferbergwerks gegründet und erlebte zeitweise eine rasante Entwicklung. 1880 wurden 3.363 Einwohner gezählt, 1910 dann schon 39.165. Zunächst wurden nur Gold und Silber in dem Gebiet gefördert, mit der Entwicklung der Elektrizität ergab sich jedoch ein weitaus größerer Bedarf für Kupfer. Nachdem die Einwohnerzahl des Ortes nach dem Ersten Weltkrieg inoffiziell bis auf 60.000 im Jahr 1920 stieg, leben heute noch ca. 34.000 Menschen hier.

Nach langer Suche finden wir ein leckeres family dining (Sparky's Garage) und es gibt mal wieder Pulled Pork auf einer netten Terrasse mit Blick auf die Statue of Mary (our lady oft the Rockies).

Meilenstand: 16424 = 407 km

Tag 12: Fahrt nach Bozeman und Livingston

Nach einem hervorragenden Hotelfrühstück starten wir die Fahrt Richtung Yellowstone Nationalpark. In Bozeman machen wir Halt und essen lecker Crepes mit frischen Früchten und schlendern durch das wirklich nette Städtchen. Der letzte größere Ort vor Emigrant, wo wir das nächste Ferienhaus reserviert haben, heißt Livingston. In der größten Mittagshitze "kriechen" wir über einen Kunstmarkt, auf dem allerlei Selbstgemachtes zum Verkauf steht. Es gibt frische Limonade. Das an die Wild-West-Zeiten erinnernde Murray-Hotel strahlt den Glanz vergangener Zeiten wieder.

Emigrant

Und dann erreichen wir unser Ferienhaus in Emigrant. Eine Blockhütte fernab der Straße. Dem Vermieter hatten wir unsere Ankunft per Mail gegen 17 Uhr angekündigt und dank GPS ist das Haus leicht zu finden. Der Schlüssel steckt, auf dem Esstisch steht ein Strauß frischer Blumen und es läuft eine CD mit esoterischer Musik. Das Haus wurde von den Eigentümern zum großen Teil selbst gebaut und insbesondere die Inneneinrichtung ist bis in alle Einzelheiten liebevoll durchdacht. Von der Terrasse aus hat man einen sagenhaften Ausblick bis zum Yellowstone-River und an der Colibritränke tummeln sich die Colibris.

Bei einem Steak und Salat lassen wir den Tag ausklingen, bis ein aufziehendes Gewitter uns zwingt, ins Innere des Hauses zu flüchten.

Meilenstand: 16585 = 259 km

Und weiter geht's Yellowstone Nationalpark Teil 1...