49. Ein Erlebnis der Superlative

Alle Reiseführer empfehlen den Besuch der Waimoto Glowworm Caves, einer riesigen Glühwürmchenhöhle. Sowohl die Anzahl der Reisebusse auf dem Parkplatz als auch das Eintrittsgeld (70 NZD p.P.) schreckten uns aber ab. So viele Leute ….

Also fuhren weiter über kleine Straßen und dirt roads, vorbei u.a. an den Three Sisters, einer Felsformationen, die 25 Meter in die Höhe ragen, Richtung New Plymouth.

Three Sisters

Schon aus der Ferne konnte man erahnen, dass sich dort der Mount Taranaki befinden muss. Dieser war allerdings vollkommen von Wolken umhüllt.

Auf der App CamperMate hatten wir einen kleinen Zeltplatz nahe am Nationalpark in Kaimiro gefunden und entschieden, dort zu übernachten. Der Zeltplatz wird von jungen niederländischen Auswandererfamilien betrieben, etliche kleine Kinder sprangen herum. Es gab ausreichend freie Plätze und Jens hatte sogar das Glück, einen Schlafplatz in einem Fass zu ergattern.

Schlafplatz im Fass

Und dann geschah es: die Wolken verzogen sich, und der Mount Taranaki zeigte sich in seiner vollen Schönheit. Wir konnten uns einfach nicht satt sehen.

Blick vom Zeltplatz – Wolken umhüllen (noch!) den Vulkan
Blick vom Zeltplatz – die Wolken sind verschwunden
Mt. Taranaki

Wikipedia schreibt: „Der Mount Taranaki oder Mount Egmont ist ein solitärer, 2518 m hoher Stratovulkan mit perfekter Spitzkegelform im Westen der Nordinsel in Neuseeland in der Region Taranaki. Mount Taranaki ist vermutlich ein geologisch relativ junger Vulkan, der erst vor knapp 135.000 Jahren aktiv geworden ist. Die letzte Eruption wird auf das Jahr 1854 datiert und soll neben Lavaflüssen auch mit fünf größeren Eruptionen einhergegangen sein.

Der von den Māori seit jeher Taranaki genannte Berg wurde von dem britischen Seefahrer und Entdecker, Kapitän James Cook nach dem 2. Earl of Egmont in Mount Egmont umbenannt. Der Berg erhielt später jedoch wieder seinen alten Namen, und nur der ihn umgebende Egmont National Park erinnert an den Adligen, der nie etwas mit Neuseeland zu tun hatte.

In den Sommermonaten Dezember bis März kann der am meisten bestiegene Gipfel Neuseelands auch ohne Kletterausrüstung erreicht werden. Allerdings haben das sehr wechselhafte Wetter und die zum Teil unerfahrenen Bergsteiger ihren Anteil an der höchsten Todesrate auf allen neuseeländischen Bergen.

Ende Dezember 2017 wurde dem Taranaki der Status eines Rechtssubjektes zugesprochen (legal personality), er erhält damit den rechtlichen Schutz, der jedem neuseeländischen Staatsbürger zusteht. Rechtlich gesehen sind somit jedwede Verletzungen und Beschädigungen des Berges auf der gleichen Ebene anzusiedeln wie Verletzungen der Rechte der Māori. Acht Stämme, die den Berg als Teil ihres Whānau (erweiterte Familie) betrachten, übernehmen zusammen mit der neuseeländischen Regierung die Vormundschaft über den heiligen Berg.“

Leider gab es auf dem Campingplatz keine Küche, so dass wir unseren eigenen Kocher herausholen und ein improvisiertes Essen zubereiten mussten: Bratkartoffeln mit roten Bohnen; in einen Wrap gehüllt war es gar nicht so übel!

Der 10. November startete absolut wolkenlos mit Blick auf den einfach nur unbeschreiblich schönen Vulkan. Da wir am Abend zuvor erst spät angekommen waren, hatte das Cafe “Vulcano View“ schon geschlossen. Wir hatten aber in Erfahrung gebracht, dass es ab 10 Uhr Frühstück gibt und so sind wir direkt nach dem Aufstehen eingefallen. Was für eine Aussicht:

Blick aus dem Cafe

Dort gab es dann zum Glück auch endlich mal wieder WLAN, so dass wir einige Sachen im Internet erledigen konnten. Wir verspeisten leckere Pancakes und Toasts.

Frühstück mit Weitsicht

Danach wurde schnell alles zusammengepackt, wir wollten nicht so spät am Visitor Center Mount Edmund Nord ankommen. Dort waren verschiedene Wanderrouten ausgeschrieben. Eine freundliche Dame erklärte uns, dass eine schöne Wanderung beispielsweise zum Holy Hut führt. Der Aufstieg hat sich wahrhaft gelohnt, es gab einige fantastische Ausblicke und auch der Vulkan zeigte sich wieder wolkenlos.

es geht auf und ab
herrliche Aussichten
glückliche Wanderer

 

 

Auf halbem Wege gab es einen Abstieg über den Kokowai Track zurück. Der hatte es dann doch ganz schön in sich, der Weg bestand zu großen Teilen aus Wurzelstufen und führte teilweise auf dem Grad durch hohes Gras. Auch eine Hängebrücke galt es zu überqueren.

beschwerlicher Abstieg
nur Mut
Vegetation am Vulkan

Damit ich nicht auch noch den Aufstieg zurück zum Parkplatz über eine Straße bewältigen musste, lief Philip dann schon eher los, um das Auto zu holen. Ich schleppte mich die letzten Meter bis zum Parkplatz und da stand Philip schon und hatte den Gaskocher angeschmissen und leckere Nudelsuppe vorbereitet.

letzte Rettung

Wir hatten bereits für die kommenden drei Nächte eine Unterkunft am Tongariro Nationalpark vor gebucht, so dass wir die dreieinhalb Stunden Fahrt im Dunkeln und auf abenteuerlichen Straßen auf uns nahmen, denn schließlich erwartet uns am Ende des Weges ein warmes Bett. Wir kamen tatsächlich auch erst gegen 22:30 Uhr völlig erschöpft in Ohakune an. Schnell wurde noch ein Feuer im Kamin angezündet und dann fielen wir in unsere Betten.

das Feuer brennt