Es regnete einfach die ganze Nacht durch, auch am Morgen des 17. September regnete es in Strömen. Wir hatten unsere Schuhe unter der Betty verstaut und die waren komplett durchgenässt, das war also keine so schlaue Idee. Da es „so much“ geregnet hat, entschieden wir uns, in die Stadt nach Queenstown zu fahren und dort unter einem Dach zu frühstücken. Bei der Bibo haben wir ein Dach gefunden und gefrühstückt (wie die letzten Penner). Anschließend ging es zum Abholort für den Bungee Jump.
Wir mussten uns zunächst alle am Hauptquartier treffen und die Tickets abgeben, die Anmeldung erfolgte an Bildschirmen, dort mussten wir Informationen zu unserer Person (Größe, Beeinträchtigungen) etc. eintragen.
Ich habe meine starke Kurzsichtigkeit mit angegeben, das war eines der 15 Kriterien. Mein Englisch ist leider noch immer nicht so wirklich gut ist, deshalb musste ich nachfragen, da ich das englische Wort für Kurzsichtigkeit nicht wusste. Unsere Hosentaschen sollten komplett ausgeleert werden und wir mussten uns wiegen lassen mit all den Klamotten, die wir später beim Springen auch tragen wollte. Ich hatte mein Messer vom Frühstück noch in der Tasche, habe das auf den Tisch gelegt und dafür extrem komische Blicke geerntet. Alle unsere Daten wurden mit Stift auf unsere Handrücken geschrieben; auf die linke Hand mit Blau: unser Gewicht. Und auf die rechte Hand mit Rot: die Bus-Nummer und die Absprung-Nummer.

Rob wollte nicht mit springen, er hat Angst vor Höhe und konnte sich einfach nicht überwinden. Paragliding ist für ihn kein Problem, da er da ja nicht „abspringen“ muss.
Anschließend haben wir 30 Minuten auf den Bus gewartet und unsere Anspannung stieg und stieg. Unser Puls war sicherlich auch noch in weiter Entfernung zu hören. Flo und ich haben uns gegenseitig hoch gesteigert und uns immer wieder klargemacht, dass wir gleich in 137 m Tiefe springen werden. Abgeholt wurden wir mit einem riesigen Bus/LKW mit Sechsrad-Allrad-Antrieb. Drin war es richtig bequem. Wir wurden noch einmal richtig heiß gemacht auf den Sprung durch Werbetrailer, die im Bus auf Bildschirmen liefen.

Nach 20 Minuten erreichten wir den ersten Zwischenstopp beim 40 m Bungee Jump von einer Brücke. Wir hatten also einen ersten Eindruck, was uns erwarten würde. Dort sind die ersten dann ausgestiegen und wir sind weitere 25 Minuten gefahren zum Nevis Sprung. Das sollte unsere Absprungstelle sein! Die Anspannung stieg. Der Bus hat sich mit seinen sechs Rädern und Allrad den Berg hoch gekämpft, mit einem normalen Auto wären wir dort niemals hochgekommen. Es ist nur möglich, mit dem Bus dorthin zu gelangen.
Es hat noch immer geschifft wie aus Kübeln. Oben auf dem Berg haben wir dann das erste Mal die Absprungplattform gesehen und nun doch Muffensausen bekommen.

Angekommen bei der Station gab es eine kurze Instruktion über die Regeln auf dem Gelände. Es herrscht striktes Rauchverbot! Wir wurden noch mal gewogen, um zu vergleichen, was auf unserer Hand steht. Dann wurde uns der Harnisch von den Mitarbeitern angelegt. Uns ging so die Pumpe! Wir waren insgesamt sechs Leute, einer musste seine Schuhe noch wechseln, da die Mitarbeiter Angst hatten, dass er sie beim Sprung verliert.
Mit einer kleinen wackeligen Gondel wurden wir dann auf die Plattform gebracht und konnten einen ersten Blick erhaschen, wie hoch der Sprung eigentlich ist.
Mein Puls stieg immer weiter an. Dann sind wir auf der Plattform angekommen. Dort lief geile Musik und alle Mitarbeiter waren sehr entspannt/cool.
Leider schüttete es immer noch. Wir bekamen Instruktionen: man springt kopfüber und hängt an den Füßen. Um es angenehm zu machen, sollte man kurz nach dem Sprung an einer gelben Leine zwischen seinen Füßen ziehen, durch die man dann nicht mehr kopfüber hängt, sondern waagerecht. Die erste Springerin hat dies anscheinend vergessen und wurde kopfüber wieder raufgezogen. Außerdem hat sie ihren Schuh verloren, der schlummert nun auf ewig in den Tiefen der Schlucht. Anschließend haben wir alle unsere Schuhe noch mal deutlich fester zu gebunden. Flo war Nummer sechs und ich Nummer sieben.
Wir haben uns gegenseitig gefilmt und Flo sprang als erstes, danach ich.

Alle, die sich angemeldet hatten, sind gesprungen! Anschließend ging es mit der Gondel wieder zurück, wir haben uns die Videos und Fotos angeschaut, die von uns gemacht wurden und dann gab es gar keine andere Wahl: das Video für 50 $ mussten wir einfach kaufen. Das war es uns wert, nachdem wir es gesehen hatten. Außerdem haben wir hier noch ein T-Shirt geschenkt bekommen. Danach ging’s mit dem Bus wieder zurück nach Queenstown.
Wir konnten nicht realisieren, dass wir das wirklich gemacht hatten, Rob hat uns abgeholt und wir sind zum Campingplatz zurück gefahren und haben dort das Zelt noch abgebaut.
Die Fahrt führte uns dann direkt bis zum Lake Hawea bei Wanaka, wir hatten auf einem Campingplatz vorreserviert und unser Schlüssel lag in einem Briefumschlag im Briefkasten. Dann hieß es erst mal 3 Kilogramm Bolognese vorkochen und anschließend natürlich: Herr der Ringe schauen.
